74/2022, 24.05.2022

DOSB fordert Kurswechsel in der deutschen Sportpolitik

Der Deutsche Olympische Sportbund (DOSB) fordert ein entschiedenes Umsteuern in der deutschen Sportpolitik. In einem am Dienstag veröffentlichten Eckpunktepapier macht die größte Bürgerbewegung des Landes der Bundesregierung ein umfangreiches Gesprächsangebot, um gemeinsam mit dem organisierten Sport Deutschland nachhaltig in Bewegung zu versetzen.

„Mit dem fast 500 Millionen Euro umfassenden Paket zur Unterstützung des Breitensports hat die Politik in der vergangenen Woche ein ganz wichtiges Signal gesendet. Das ist ein wichtiger erster Schritt dahin, nach dem pandemischen Stillstand Deutschland wieder in Schwung zu bringen”, sagte DOSB-Präsident Thomas Weikert. Dazu böten die rund 90.000 Sportvereine mit ihren flächendeckenden und niederschwelligen Angeboten die beste und dazu sofort verfügbare Plattform. Die Probleme aber lägen tiefer und seien langanhaltender, so Weikert, der Bewegungsmangel sei mittlerweile in jeder Generation angekommen und präge das Leben gerade von Kindern und Jugendlichen. „Als Gesellschaft müssen wir in jedem Lebensbereich gegensteuern. Dazu müssen wir gemeinsam mit den Verantwortlichen in Bund und Ländern neue Wege gehen. Sport betrifft Gesundheit, Integration, Städtebau oder Wirtschaft, er muss raus aus den Silos und als Querschnittsaufgabe in der Bundesregierung verankert werden.“

Der DOSB-Vorstandsvorsitzende Torsten Burmester begrüßte in diesem Zusammenhang ausdrücklich die Ankündigung von SPD, Bündnis90/Die Grünen und FDP in ihrem Koalitionsvertrag „Mehr Fortschritt wagen“ vom 29. November 2021, unter breiter Beteiligung verschiedener Stakeholder einen „Entwicklungsplan Sport“ erarbeiten zu wollen: „Die Bundesregierung erkennt damit den Wert von Sport und Bewegung grundsätzlich an und macht dem Sport damit das Angebot, das Land gemeinsam aktiv und bewegt zu gestalten. Als Dachverband des organisierten Sports in Deutschland, mit 100 Mitgliedsorganisationen und mehr als 27 Millionen Mitgliedschaften, steht der DOSB bereit, zur erfolgreichen Entwicklung eines solchen Gesamtkonzepts für den Sport, vor allem aber zur Umsetzung der dann im “Entwicklungsplan Sport” enthaltenen Maßnahmen, seinen Beitrag zu leisten.”

Als mögliche Impulse bezeichnet das Eckpunktepapier mit dem Titel „Sport bewegt Deutschland“ die Einrichtung einer Koordinierungsstelle beispielsweise durch eine Staatssekretär*innenposition im Bundeskanzleramt und eine Förderlinie Breitensport im Bund, falls erforderlich per Grundgesetzänderung.

DOSB-Vorständin Sportentwicklung Michaela Röhrbein sagt: „Sportvereine und -verbände leisten seit Jahrzehnten einen wesentlichen Beitrag zur Gesunderhaltung der Gesellschaft. Der Breitensport hält und bringt Menschen zielgruppen- und altersübergreifend millionenfach in Bewegung. Die Sportvereine sind ideale Partner für bewegungsfördernde Projekte in bewegungsarmen Settings, wie Kitas, Schulen oder dem Arbeitsplatz. Daher sind sie im Sinne der im Präventionsgesetz angedachten Kooperation, Koordination und Vernetzung als eigenständiger Akteur anzuerkennen.”

Inhaltlich ziele die Initiative des DOSB auf neun Handlungsfelder, so Röhrbein. Neben der ressortübergreifenden Koordination auf der bundespolitischen Ebene und der Überwindung der Pandemie stehe das Ehrenamt im Fokus. Wertevermittlung durch Sportvereine als maßgeblichem Beitrag für eine demokratische und vielfältige Gesellschaft und zur Stärkung des gesellschaftlichen Zusammenhalts müsse besser gefördert werden, so die Vorständin Sportentwicklung. In der Gesundheitspolitik müsse der Sport mit an den Tisch, wenn Gesetze und Verordnungen entwickelt würden. Auch die Anerkennung der Sportvereine als Bildungsorte sei überfällig: Sportvereine seien ein bedeutender Sozialisationsraum und böten lebenslang zahlreiche Lehr- und Lerngelegenheiten für alle Menschen. Sie übernehmen damit wichtige Funktionen, die die Angebote des öffentlichen Bildungssystems ergänzen. Darüber hinaus müsse der Sanierungs- und Modernisierungsstau bei Sportstätten aufgelöst werden. Sportstätten müssten nachhaltig gebaut und für alle Bevölkerungsgruppen erreichbar und zugänglich sein. Schließlich könne der Sport auch einen wichtigen Beitrag zum Klimaschutz durch Minderung von Treibhausgasemissionen leisten, sagte Röhrbein: „Um das Ziel der neuen Bundesregierung eines klimaneutralen Deutschlands bis zum Jahr 2045 zu erreichen, braucht es Engagement aller gesellschaftlichen Akteure. Hier steht der Sport bereit, Verantwortung zu übernehmen.”

Das gesamte Eckpunktepapier „Sport bewegt Deutschland“ lesen Sie hier